
openZENIKPLUS veröffentlicht mit der ISSN 3052-4997 regelmäßig seit April 2025 Artikel zu den aktuellen Themen, mit denen sich deren Mitglieder beschäftigen. Da diese Rubrik ganz am Anfang steht, ist es wohl müßig, über den Journal Impact Factor (JIF) zu sprechen. Wir werden fortlaufend informieren.
Migration ist Bewegung: Sie betrifft den Wechsel von einem Land ins andere, aber auch den Wechsel zwischen sozialen Feldern, kulturellen Praktiken und Identitätsmustern. Für Migranten ist Identität kein abgeschlossenes Paket, das man ins neue Land „mitnimmt“, sondern ein fortwährender Prozess der Aushandlung. Allerdings gestalten nicht nur die Migranten diesen Prozess – er wird von Erwartungen, Zuschreibungen und Machtverhältnissen geprägt.Die entscheidende Frage ist: Wann ist Integration genug?
Integration als Ziel mit neuer Zielvorgabe
In der öffentlichen Diskussion wird Integration häufig als Ziel dargestellt: Wer die Sprache lernt, arbeitet, Steuern zahlt, eingebürgert wird, „ist integriert“. Aber die Realität für viele Menschen ist: Dieses Ziel wird immer wieder verschoben. Daniel Morales – ein gutes Beispiel, das für viele steht – lebt seit über zehn Jahren in Deutschland. Er ist ein promovierter Ingenieur, gründet ein Start-up und spricht fließend Deutsch. Er gilt auf dem Papier als „das Erfolgsmodell Integration“. Trotzdem lautet die immer wiederkehrende Frage: „Woher kommen Sie eigentlich?“ – und nicht „Wohin möchten Sie?“.Die Botschaft ist unmissverständlich: Zugehörigkeit ist fragil. Integration verwandelt sich in eine kontinuierliche Prüfung, deren Kriterien niemals klar definiert sind.
Identität als ein unerreichbares Ziel
Nach Stuart Hall ist Identität nie festgelegt, sondern immer „im Werden“¹. Für Menschen wie Daniel heißt das: In den Augen anderer werden sie niemals „fertig integriert“ sein.Nach der Erklärung von Pierre Bourdieu hat Daniel sowohl kulturelles Kapital (Bildung, Sprache, etc.) als auch ökonomisches Kapital (Arbeit, Unternehmertum, etc.). Aber das symbolische Kapital – die gesellschaftliche Anerkennung als gleichwertig Zugehöriger – bleibt ihm verwehrt². Er wird nicht einfach „deutsch“, sondern bleibt „Ausländer mit deutschem Pass“.Eine Machtasymmetrie wird hier sichtbar, die Michel Foucault treffend analysiert hat: Vereine und Diskurse legen fest, was Zugehörigkeit bedeutet; sie verschieben die Grenzen dessen, wer dazugehört und wer nicht³.
Kommunikation, Vertrauen und Wertschätzung
Kommunikation spielt hierbei eine Schlüsselrolle. Nach Dell Hymes ist Integration mehr als nur Grammatik; sie erfordert kommunikative Kompetenz – das Vermögen, in sozialen Situationen angemessen zu handeln⁴. Aber genau an dieser Stelle fungiert Sprache auch als Zeichen der Differenz: Jeder Akzent und jedes „fremde“ Wort kann Anlass geben, die Zugehörigkeit in Frage zu stellen.Vertrauen ist ebenso von großer Bedeutung. Soziale Kohäsion ist laut Robert Putnam das Fundament demokratischer Gesellschaften⁵. Doch Migranten müssen oft ihr Vertrauen immer wieder neu verdienen, sei es im Behördenbüro, bei Investoren oder in politischen Ausschüssen.
Akzent und Dialekt – die unsichtbaren Grenzen der Gemeinschaftszugehörigkeit
Oft wird Sprache als das wichtigste Element für die Integration angesehen. Selbst Menschen, die die Landessprache einwandfrei sprechen, werden über ihren Akzent und Dialekt in soziale Kategorien eingeordnet. Für zahlreiche Migranten ist der Akzent ein unauslöschliches Zeichen, das sie immer wieder als „nicht von hier“ kennzeichnet.Forschungsergebnisse belegen, dass Akzente weit über das Verstehen hinaus eine Rolle spielen. Laut der Communication Accommodation Theory von Giles und Coupland kann ein Akzent soziale Distanz schaffen⁶. Nach den Forschungen von Gluszek und Dovidio erleiden Personen mit einem nicht-standardsprachlichen Akzent im Berufsleben Nachteile – und das, obwohl sie über die gleichen Fähigkeiten verfügen, aufgrund unbewusster Vorurteile⁷.In Deutschland wird dieser Effekt durch die Bedeutung des Dialekts noch verstärkt. Menschen, die Schwäbisch, Bairisch oder Sächsisch sprechen, gelten oft als „authentisch deutsch“. Wer hingegen Deutsch mit einem spanischen Akzent spricht, bleibt für viele „als süßer Ausländer“ – selbst nach vielen Jahren und mit deutschem Pass ⁸.
Unternehmertum als Raum der Verhandlung
Die Untersuchung von Daphne Hering illustriert, wie migrantische Unternehmer in dieser Spannung ihre Identität neu aushandeln. Ökonomisch gesehen ist Unternehmertum wichtig, aber es ist auch ein Akt der Verankerung: Gründer schaffen Arbeitsplätze, Netzwerke und Sichtbarkeit.Hering zeigt auf, dass kulturelle Distanz in diesem Zusammenhang sowohl ein Hindernis als auch eine Ressource sein kann⁹. Sie macht den Zugang zu Netzwerken schwieriger, schafft aber gleichzeitig neue Geschäftsmöglichkeiten und Innovationen. Unternehmer mit Migrationshintergrund sehen Chancen, die anderen nicht wahrnehmen. Aber auch hier ist zu beachten: Oft müssen sie mehr leisten als ihre nicht-migrantischen Kollegen, um als gleichwertig anerkannt zu werden.
Politische Auswirkungen – Integration neu gestalten
Sollte Integration eine endlose Prüfung sein, ist sie strukturell ungerecht. Sie wird zur Einbahnstraße, in der Migranten ständig beweisen müssen, während die Mehrheit kaum Verantwortung übernimmt.Es erfordert ein frisches Verständnis von Integration: -Als geteilte Verantwortung: Zugehörigkeit ist mehr als Anpassung; sie erfordert die Anerkennung beider Seiten-. In die Zukunft blickend: Statt „Woher kommen Sie?“ sollte die Frage „Wohin wollen wir gemeinsam?“ lauten.- Als etwas, das sich ständig verändert: Identität ist nie festgelegt. Hybride Identitäten stellen keine Gefahr dar; sie sind eine wertvolle Ressource für Innovation und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Fazit: Identität nicht verweigern, sondern fördern
Für Migranten sollte Identität kein unerreichbares Ideal sein. Talente werden gebremst und Potenziale gehen verloren, wenn Zugehörigkeit immer wieder in Frage gestellt wird. Integration sollte deshalb als ein geteilter Prozess betrachtet werden – nicht als Prüfung, sondern als gegenseitige Anerkennung.Nach den Worten von Daniel Morales: „Ich möchte nicht immer nur integriert werden – ich möchte einfach dazugehören.“
Literatur
¹ Hall, Stuart (1990): Cultural Identity and Diaspora. In: Rutherford, Jonathan (Ed.): Identity: Community, Culture, Difference. London: Lawrence & Wishart, pp. 222–237.
² Bourdieu, Pierre (1986): The Forms of Capital. In: Richardson, John (Ed.): Handbook of Theory and Research for the Sociology of Education. New York: Greenwood, S. 241–258.
³ Foucault, Michel (1977): Überwachen und Strafen. Die Entstehung des Gefängnisses. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
⁴ Hymes, Dell (1972): Regarding Communicative Competence. In: Pride, J.B.; Holmes, J. (Eds.): Sociolinguistics. Harmondsworth: Penguin, S. 269–293.
⁵ Putnam, Robert D. (2000): Bowling Alone. The Fall and Comeback of American Community. New York: Simon & Schuster.
⁶ Giles, Howard; Coupland, Nikolas (1991): Language: Contexts and Consequences. Milton Keynes: Open University Press.
⁷ Gluszek, Agata; Dovidio, John F. (2010): Speaking with a nonnative accent: Views on bias, communication challenges, and belonging in the United States. Journal of Language and Social Psychology, 29(2), pp. 224–234.
⁸ Lippi-Green, Rosina (2012): English with an Accent: Language, Ideology, and Discrimination in the U.S. 2. Edition. London/New York: Routledge.
⁹ Hering, Daphne (2019): The opportunity identification process of migrant entrepreneurs: a theoretical and empirical exploration of influencing factors. Dissertation, Berlin Institute of Technology.
⁹ Hering, Daphne; Mrożewski, Magdalena (2022): What factors boost the entrepreneurial spirit in migrants? Examining the impact of cultural distance and human capital. International Entrepreneurship and Management Journal, 18, pp. 1431–1454.
Abstract
Im Alltag von Institutionen unterscheidet sich bloße Anwesenheit von tatsächlicher Zugehörigkeit. Im Zentrum stehen dabei zwei Begriffe: die Zugehörigkeitsschwelle als jener Punkt, an dem sich zeigt, ob Menschen nicht nur aufgenommen werden, sondern auch wirksam zugehörig werden können, und die Zugehörigkeitsschwelligkeit als die sprachliche, kulturelle und institutionelle Beschaffenheit eines Raums, die diese Schwelle senkt, erhöht oder verdeckt. Der folgende Text geht von der Annahme aus, dass Demokratie nicht erst im Bereich formaler Politik beginnt, sondern in den alltäglichen Erfahrungen von Sprechfähigkeit, Teilnahme, Anerkennung und Orientierung. Institutionen sind nicht nur organisatorische Strukturen, sondern soziale Räume, in denen Zugehörigkeit ermöglicht, erleichtert oder erschwert wird.
Das vollständige Papier ist abrufbar unter DOI: 10.13140/RG.2.2.27590.02885
Abstract
Studierende in internationalen Masterprogrammen haben häufig weniger Schwierigkeiten mit der Wahl eines Themas als mit der Formulierung untersuchbarer Probleme, der Passung von Methode und Forschungsfrage sowie mit dem Aufbau von Vertrauen in das eigene methodische Denken. Dieser Beitrag stellt das Samira-Modell als protokollgesteuerten KI-gestützten Lehransatz vor, der diese Prozesse unterstützen soll. Auf der Grundlage eines Design-Based-Research-Rahmens untersucht die Studie die iterative Entwicklung und Implementierung einer stabilen KI-Persona, strukturierter Interaktionsprotokolle und einer forschungsorientierten didaktischen Sequenz in mehreren Bildungskontexten. Im Verlauf der Umsetzung wurde der Forschungsfokus schrittweise von der allgemeinen Frage, ob eine KI-gestützte Persona die Methodiklehre unterstützen kann, hin zu der spezifischeren Frage verfeinert, unter welchen interaktionalen und didaktischen Bedingungen eine solche Unterstützung pädagogisch produktiv wird. Die berichteten Befunde aus den umgesetzten Zyklen mit Kohorte A und Kohorte B weisen auf eine erhöhte Beteiligung, eine Verringerung methodischer Unsicherheit, ein erweitertes methodisches Vokabular sowie eine stärkere Differenzierung zwischen Thema, Problem, Forschungsfrage und Methode unter Bedingungen stabiler Protokolldisziplin hin. Die Studie zeigt, dass der pädagogische Wert von KI in diesem Zusammenhang weniger von der Qualität isolierter Antworten als von interaktionaler Stabilität, didaktischer Rahmung und ethischer Transparenz abhängt. Damit trägt sie empirisch informierte und theoretisch fundierte Designprinzipien für die KI-gestützte Methodenausbildung in der Hochschullehre bei.
Das vollständige Papier ist abrufbar unter DOI: 10.13140/RG.2.2.26514.11204.
English version DOI: 10.13140/RG.2.2.34063.85926.
Das Leitmotiv „Net Zero“ wurde in den vergangenen Jahren von vielen Marktteilnehmern der Immobilienwirtschaft fest in ihre Entscheidungsprozesse verankert. Der Fokus lag und liegt dabei vor allem auf der Implementierung energieeffizienter Systeme, dem Einsatz erneuerbarer Energieträger sowie der Nutzung CO₂-neutraler Materialien. Während im Neubausegment bereits kurzfristig signifikante Fortschritte erzielt werden konnten, bleibt die Transformation des Bestands eine langfristige und hoch komplexe Aufgabe. Zahlreiche Technologien – von solarbasierten Mieterstrommodellen bis zu Wärmepumpen für Wohn- und Gewerbeimmobilien – haben die Pilotphase hinter sich gelassen und befinden sich aktuell in der Skalierung.
Die vergangenen 5 Jahre haben uns schmerzhaft verdeutlicht, dass Krisen und Unsicherheiten zu einem permanenten Begleiter für Gesellschaft und Wirtschaft geworden sind. Nach Pandemie und Energiekrise belasten geopolitische Konflikte in Europa und im Nahen Osten, Rückschläge beim Klimaschutz sowie eine herausfordernde Zinsentwicklung die Märkte. Insbesondere die Immobilien- und Bauwirtschaft spürt die Folgen seit Monaten massiv. Unübersehbar ist: Auch der Immobiliensektor steckt in einer tiefen Krise.
In Phasen, in denen etablierte Prozesse und Strukturen nicht mehr ausreichen, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern, gewinnt der Ruf nach Resilienz an Gewicht. Resiliente Systeme zeichnen sich durch zwei Eigenschaften aus: Anpassungsfähigkeit und Transformationsfähigkeit. Große Teile der Branche haben beide Kompetenzen in den letzten Jahren bereits ausgebaut. Klar ist aber auch, dass ein „Weiter so“ oder ein reines „Immer schneller“ als Überlebensstrategien zunehmend an Plausibilität verlieren. Gefordert sind daher alternative Ansätze.
Weiterhin ist festzuhalten, dass trotz aller Fortschritte bei der Energieeffizienz Immobilienportfolios auch künftig unvermeidbare Restemissionen aufweisen werden, die durch geeignete Kompensationsstrategien adressiert werden müssen. Gleichzeitig entsteht durch die Diskussion um negative Emissionen ein neuer ökonomischer Treiber. Gerade angesichts der massiven „grauen Emissionen“ des Gebäudebestands werden regenerative Ansätze erforderlich und möglich, die nicht allein Klimaneutralität, sondern darüber hinaus einen positiven Nettoeffekt entfalten können.
Zudem wissen wir bereits, dass die bloße Kombination aus Effizienzsteigerungen im Bestand und klimaneutralem Neubau nicht ausreichen wird, um das 1,5-Grad-Ziel abzusichern. Deshalb rücken zwei zusätzliche Dimensionen in den Vordergrund: Suffizienz und Regeneration. Auch wenn beide Konzepte nicht neu sind, erhalten sie durch die aktuellen Herausforderungen neue Aktualität. Suffizienz bedeutet die Reduktion von Ressourceneinsatz und Konsum, Regeneration hingegen die Schaffung von Flächen und Projekten, die aktiv CO₂ binden und somit die Klimabilanz verbessern. Gerade die Vorstellung, dass „grünes Wachstum“ die Lösung sei, ist kritisch zu bewerten, da viele dieser Ansätze eher Greenwashing darstellen und keinen echten Systemwandel einleiten (Steinberger, 2024).
Die Forschung zeigt deutlich, dass Energie- und Ressourcenverbrauch ungleich verteilt sind: Wohlhabendere Gesellschaftsschichten verursachen überproportional hohe Emissionen, insbesondere durch Flugreisen oder Flächenkonsum (Oswald, Owen & Steinberger, 2020).
Internationale Studien zeigen, dass Wohlergehen auch bei deutlich geringerem Energieeinsatz erreichbar ist – vorausgesetzt, öffentliche Dienstleistungen, Gleichheit und demokratische Teilhabe sind gesichert (Vogel et al., 2021).
Das Konzept des „Decent Living Energy“ weist zudem nach, dass ein menschenwürdiges Leben weltweit mit weniger als der Hälfte des heutigen Energieverbrauchs möglich ist (Millward-Hopkins, Steinberger, Rao & Oswald, 2020). Für die Immobilienwirtschaft bedeutet das: Suffizienz ist kein Rückschritt, sondern Zukunftssicherung.
Auch PropTech-Unternehmen stehen hier in der Verantwortung: Neben dem Thema Effizienz gilt es, Suffizienz und Regeneration deutlich stärker mitzudenken. Schon heute sehen wir Geschäftsmodelle, die sich konsequent der Kreislaufwirtschaft verschreiben und substanzielle Beiträge zur Transformation leisten. Das heißt auch, dass Suffizienzstrategien nicht nur technologisch, sondern auch sozial gerecht ausgestaltet werden müssen.
Ökonomische Chancen entstehen dabei ebenfalls: Aktuell erzielen energieeffiziente Gebäude Wertaufschläge von bis zu 18 %. Technologien zur dauerhaften CO₂-Bindung, wie Carbon-Capture-Materialien, könnten sich zudem als Exportschlager entwickeln und die Climate-Tech-Industrie stärken.
Auf operativer Ebene bleibt Effizienz ein wichtiges Handlungsfeld. Smarte Heizungssteuerungen, die externe Daten wie Wetterprognosen einbeziehen, können 10–25 % Energieeinsparung ermöglichen. Energiesparende Technologien wie LED-Lampen sind weitere Beispiele. Dennoch zeigt der Rebound-Effekt, dass erzielte Einsparungen oft durch steigenden Konsum überkompensiert werden.
Genau deshalb gewinnt die Kreislaufwirtschaft an Bedeutung. Sie setzt auf geschlossene Stoffströme, in denen Abfall vermieden wird. Mieterstrommodelle oder „Cradle-to-Cradle“-Projekte verdeutlichen, dass die Immobilienwirtschaft hier erste Schritte unternimmt, wenngleich die Skalierung noch aussteht.
Weniger konsumieren und weniger produzieren bedeutet nicht zwingend Wachstumshemmnisse für die Wirtschaft. Modelle wie Co-Working, Homeoffice oder Co-Living verdeutlichen, wie Flächenbedarf reduziert werden kann und dennoch Mehrwerte generiert werden. Auch die Verlagerung von Individualverkehr auf geteilte Mobilitätsformen wie Lastenfahrräder ist eine suffizienzbasierte Maßnahme.
Auch die Regeneration rückt in den Vordergrund: Maßnahmen wie Dachbegrünungen, urbane Landwirtschaft oder Grünflächen können CO₂ binden und sind eine notwendige Antwort auf den bereits eingetretenen Klimaveränderungen. Bisher oft als Einzelprojekte umgesetzt, müssen sie künftig systematisch und flächendeckend integriert werden. Ein nachhaltiger Gebäudebestand erfordert deshalb die Integration regenerativer Elemente und suffizienzorientierter Ansätze. Begrünte Dächer, innerstädtische Obstwiesen oder Sharing-Konzepte sind Beispiele, wie ökologische Mehrwerte mit effizienter Flächennutzung verbunden werden können.
Nicht zuletzt erfordert Resilienz eine Verschiebung des Fokus von Vermeidung hin zur Anpassung. Zunehmende Hitzeperioden oder Starkregen müssen bereits heute in Planung und Entwicklung berücksichtigt werden.
Für den Immobilienbestand lassen sich daraus fünf zentrale Prüfsteine ableiten:
1. Welche Effizienzmaßnahmen sind kurzfristig und mittelfristig umsetzbar?
2. Wie lässt sich Konsistenz durch Kreislaufwirtschaft implementieren und dauerhaft sichern?
3. In welchem Umfang wird Suffizienz adressiert und welche Indikatoren (z. B. Fläche pro Kopf) verbessern die Bilanz?
4. Welche regenerativen Maßnahmen können implementiert werden, um Restemissionen lokal auszugleichen?
5. Welche Vorkehrungen sind zur Klimaanpassung zu treffen (z. B. Kühl- und Verschattungssysteme)?
Richtig kombiniert können diese Maßnahmen nicht nur die Transformation der Immobilienwirtschaft beschleunigen, sondern zugleich urbane Lebensqualität steigern – durch mehr Grünflächen, intensivere soziale Interaktion und neue Sharing-Konzepte.
Literaturverzeichnis
Millward-Hopkins, J., Steinberger, J. K., Rao, N. D., & Oswald, Y. (2020). Providing decent living with minimum energy: A global scenario. Global Environmental Change, 65, 102168. https://doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2020.102168
Oswald, Y., Owen, A., & Steinberger, J. K. (2020). Large inequality in international and intranational energy footprints between income groups and across consumption categories. Nature Energy, 5(3), 231–239. https://doi.org/10.1038/s41560-020-0579-8
Steinberger, J. K. (2024). Living well within planetary limits: Is it possible? And what will it take? Präsentation, University of Lausanne.
Steinberger, J. K., & Roberts, J. T. (2010). From constraint to sufficiency: The decoupling of energy and carbon from human needs, 1975–2005. Ecological Economics, 70(2), 425–433. https://doi.org/10.1016/j.ecolecon.2010.09.014
Vogel, J., Millward-Hopkins, J., Oswald, Y., & Steinberger, J. K. (2021). Socio-economic conditions for sustainable energy use and well-being. Nature Human Behaviour, 5(11), 1313–1322. https://doi.org/10.1038/s41562-021-01187-8
Macht, Kultur und Diversität können als wesentliche Dimensionen verantwortungsvoller Führung verstanden werden. Aus der Theorie kommend und um einen praktischen Fall ergänzt, wird gezeigt, wie Kultur und Macht das Handeln in Organisationen prägen. Hier erhält Führung die besondere Rolle, zu hinterfragen und reflektieren, um im Spannungsfeld der drei Dimensionen Vielfalt anzuerkennen.
Das vollständige Papier ist hier abrufbar.
Deutschland ist vielfältig – doch reicht das? Trotz Millionen Menschen mit Migrationshintergrund bleibt die Sprache oft ein unsichtbarer, aber wirksamer Ausschlussmechanismus. Am Beispiel internationaler Fachkräfte zeigt sich: Es geht nicht nur um Deutschkenntnisse, sondern um die Frage, wer sprechen darf und wer gehört wird. Nachfolgend wird eine interkulturelle Sprache gefordert als Schlüssel für Teilhabe, Würde und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Das vollständige Papier ist hier abrufbar.
Es gibt keine objektive Wahrheit – sie ist konstruiert und immer abhängig vom Diskurs. Unternehmen, die autoritär statt demokratisch geführt werden, konstruieren „Wahrheiten“ durch Machtstrukturen und erschweren eine offene, diskursive Wahrheitssuche.
Das vollständige Papier ist hier abrufbar.
Copyright 2021-2025